Werbung

FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
Benutzeravatar
Marco (Oberfrick)
Beiträge: 2704
Registriert: So 16. Jun 2002, 11:29
Geschlecht: männlich
Wohnort: W 5073 Gipf-Oberfrick / A 4051 Basel
Hat sich bedankt: 119 Mal
Danksagung erhalten: 96 Mal
Kontaktdaten:

FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Marco (Oberfrick) » Fr 26. Jul 2019, 09:28

Hallo Zusammen

Heute könnte es so richtig spannend werden was in Sachen Gewitter angeht.

Ich eröffne mal dieses Thema.

In Basel schon seit den frühen Morgenstunden recht bedeckter Himmel einzelne Tropfen und dazu schwere warme Luft. Aktuell 28 Grad mitten in der Stadt.
Aus dem Schönen WINTERthur-Seen 480m.ü.M.
Seit 2017 im Frickital Zuhause ;-)

Benutzeravatar
Maege81
Beiträge: 15
Registriert: Mo 1. Jul 2019, 15:37
Geschlecht: männlich
Hat sich bedankt: 6 Mal
Danksagung erhalten: 0

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Maege81 » Fr 26. Jul 2019, 10:01

Auf Sat24.com sieht man gerade schön, wie die Reste der gestrigen Gewitter wieder aktiver werden (Raum Basel, Aargau, Solothurn).
Mal sehen wohin sich das bewegt.

Danach denke ich wird es erst mal etwas ruhiger bleiben und schön vorwärmen,
bis dann die ersten Zellen in den Alpen/Voralpen hochgehen...
Was die Zugrichtungen und das Entwicklungspotential allfälliger Gewitter angeht, bin ich mir unsicher,
auch ob die Gewitter heute wirklich bis in das doch sehr trockene Mitteilland (Aargau, Zürcher Weinland) vordringen können,
weis ich nicht so genau.
Diesbezüglich glaube ich der Radarvorhersage von search.ch nicht so ganz...
Die aktuelle Animation geht in die Richtung, dass die Gewitter am Nachmittag/Abend nicht ins Mittelland hinauslaufen...

An die Profis: Ist da n Fehler drin oder ist die Luft tatsächlich so trocken, dass alles was ins Mittelland hinausläuft "verhungert"?
"Wetter ist eine Erfindung der Natur, Unwetter eine Erfindung der Menschen."
Zitat von Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker

Benutzeravatar
Federwolke
Moderator
Beiträge: 6914
Registriert: Mo 20. Aug 2001, 23:47
Geschlecht: weiblich
Wohnort: 3074 Muri bei Bern
Hat sich bedankt: 873 Mal
Danksagung erhalten: 4000 Mal
Kontaktdaten:

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Federwolke » Fr 26. Jul 2019, 10:32

Von einem trockenen Mittelland würde ich bei verbreiteten Taupunkten zwischen 16 und 19 Grad nicht sprechen ;) Mag für die Bodenfeuchte zutreffen, aber die Luft wurde durch die Gewitterreste heute Nacht schön angefeuchtet: Niederschlag, der den Boden nicht erreicht hat und in den mittleren Luftschichten verdunstet ist, liegt nun wie eine Glocke über der Schweiz. Auch sehr schön im Wasserdampf-Satbild zu sehen: http://www.meteociel.fr/observations-me ... ater-vapor
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Federwolke für den Beitrag (Insgesamt 4):
nordspot (Fr 26. Jul 2019, 11:02) • Matthias_BL (Fr 26. Jul 2019, 11:36) • Bruno Amriswil (Fr 26. Jul 2019, 12:09) • zti (Fr 26. Jul 2019, 12:36)

nordspot
Beiträge: 2168
Registriert: So 18. Mär 2007, 16:32
Geschlecht: männlich
Wohnort: D-78464 Konstanz
Hat sich bedankt: 554 Mal
Danksagung erhalten: 223 Mal
Kontaktdaten:

Re: Gewitter 25.07.2019 (+ Nacht auf den 26.7.2019)

Beitrag von nordspot » Fr 26. Jul 2019, 10:39

moinmoin.
Interessant wie es schon jetzt im elsass und der NW Schweiz rumzünselt. Konvergenz schätze ich. DWD ist mit der 0800z synop immer noch nicht raus. Ob die wohl noch rumrätseln? Gibt heut wohl eh viel zum nowcasten...

Einheizende Grüsse

Ralph
nordspot Konstanz

B3rgl3r
Beiträge: 569
Registriert: Mo 12. Jul 2010, 14:40
Geschlecht: männlich
Wohnort: 7408
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von B3rgl3r » Fr 26. Jul 2019, 10:48

Das COSMO-D2 modelliert ein relativ grosses MCS das sich von Süden her über die Alpen aufbaut und ins Flachland reinschwappt und via BaWü über den B'see wegzieht (klassisch). Das normale COSMO(1?) auf Search selber sieht kein MCS... sondern die "normale" Gewitterschiene...

Schwerpunkte / Haupttrigger wie üblich im BO ab ca. 15:00.
Timing, Feuchte, Tact... und die SignificantParameter... :-? :shock: je nach Modell. Lassen wir uns überraschen. Grosse Steine sind vermutlich punktuell zu erwarten (wenn man das gestern Abend/Nacht als "Vorspiel" sieht).

Ich freue mich auf die Abkühlung... hoffe aber dass es nicht zu sehr scheppert (Stichwort -> Schäden) :warm:
Intensität vermutlich auch ein wenig Abhängig von der Einstrahlung. Hier gibt's schon einzelne Wolken am Himmel...

In diesem Sinne, Happy NowCasting :-D
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor B3rgl3r für den Beitrag (Insgesamt 2):
nordspot (Fr 26. Jul 2019, 11:02) • mosl, Allgäu, 758m (Fr 26. Jul 2019, 11:07)

{{ Viele Grüsse, Andy @ 7408 Cazis > Davis Vantage VUE im Garten > Messwerte }}

Markus Pfister
Beiträge: 1860
Registriert: So 19. Aug 2001, 20:08
Geschlecht: männlich
Wohnort: 9056 Gais
Hat sich bedankt: 126 Mal
Danksagung erhalten: 755 Mal

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Markus Pfister » Fr 26. Jul 2019, 11:04

Hallo,

gemäss Messdaten und Modellen ist im Moment in allen Höhen Feuchtigkeit vorhanden:

* Bodentaupunkte von 16 bis 18 Grad, auf den Hügeln 12 bis 14, Moleson, Pilatus, Säntis 9 Grad
* Payerne letzte Nacht auf 850hPa Taupunkt 6 und auf 700hPa Taupunkt 3 Grad
* Ecmwf für heute Mittag auf 850hPa Taupunkt von etwa 10 und auf 700hPa etwa 2 Grad
* GFS zeigt ein PWAT (Precipitable Water) in der Luftsäule von 40mm pro Quadratmeter

Wegen der Wärme und dem hohen Druck kondensiert das im Moment noch nicht aus. Doch der Druck sinkt zurzeit kräftig und zwar in allen Höhen! Geopot 500hPa laut EZ im Moment 584 gpdm, am Sonntag Morgen nur noch 564! Das führt zwingend zu Hebung und Konvergenz. Die feuchte Luftmasse bei uns wird auch nicht etwa durch Fronten und Wind verdrängt, sondern wir behalten die 40mm/m2 über unseren Köpfen trotz dieser deutlichen Tiefdruck-Entwicklung. So eine Konstellation ist meines Erachtens recht selten.

Ich erwarte deshalb in den kommenden 48 Stunden lokal grosse Abfluss-Probleme durch anhaltende Multizellen-Gewitter, die kaum ziehen. Letzte Nacht hat schon gezeigt, was drin liegt mit mal eben 60mm in Frutigen. Das war ein Warnschuss, was örtlich passieren kann, wenn man eine solche Luxus-Hochsommer-Luft ohne Front und Höhenwind unter Tiefdruck und Konvergenz bringt.

Gruss

Markus
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Markus Pfister für den Beitrag (Insgesamt 9):
mosl, Allgäu, 758m (Fr 26. Jul 2019, 11:07) • nordspot (Fr 26. Jul 2019, 11:11) • B3rgl3r (Fr 26. Jul 2019, 11:14) • Matthias_BL (Fr 26. Jul 2019, 11:38) • Mathias Uster (Fr 26. Jul 2019, 11:44) • Bruno Amriswil (Fr 26. Jul 2019, 12:09) • zti (Fr 26. Jul 2019, 12:38) • Michael (Dietikon) (Fr 26. Jul 2019, 13:18) • Haene (Fr 26. Jul 2019, 22:31)
Schwäbrig, Gais/AR, 1150m

nordspot
Beiträge: 2168
Registriert: So 18. Mär 2007, 16:32
Geschlecht: männlich
Wohnort: D-78464 Konstanz
Hat sich bedankt: 554 Mal
Danksagung erhalten: 223 Mal
Kontaktdaten:

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von nordspot » Fr 26. Jul 2019, 11:08

@ Maege81:
DWD synop für heute ist raus, und der Author Peter Hartmann geht in diesem Auszug explizit auf deine Frage ein:

"Am Nachmittag rückt nämlich von Benelux und Frankreich her
allmählich eine Tiefdruckrinne in den Fokus, in der sich allmählich etwas
feuchtere Luft ansammeln kann. Zunächst liegt das KKN zwar meist noch bei 3000
m, oberhalb davon ist aber etwas Labilitätsenergie vorhanden, insbesondere ganz
im Süden von der Schweiz her, wo die feuchteste Luft ins Land gerät. Durch die
Windkonvergenz in der Rinne besteht ein permanenter Hebungsantrieb aus der
Grenzschicht, so dass sich dann doch das eine oder andere Gewitter bilden kann,
auch wenn davon ausgegangen werden muss, dass die ersten Anläufe aufgrund von
Entrainment trockener Luft in hochbasigen und schnell hochschießenden, ebenso
schnell aber wieder zusammenfallenden Wolkentürmen enden wird, die kaum für
einen Schauer reichen. Zum Abend hin wird es aber dann doch für meist markante
Gewitter reichen, Starkregen ist aufgrund langsamer Zuggeschwindigkeit ein
Thema, Hagel aufgrund der Labilität und Sturmböen aufgrund der äußerst trockenen
Grenzschicht (Fallböen). Einzelne unwetterartige Entwicklungen dürfen dabei
nicht ausgeschlossen werden. Langlebige und organisierte Gewitter sind aber
mangels Scherung kein Thema. Die Gewitter fokussieren sich dabei auf den
äußersten Westen und Südwesten, sowie im Süden, wo sich die Konvergenz bildet."

Einheizende Grüsse

Ralph

Edit: Danke für deine Einschätzung @ Markus :up:
Zuletzt geändert von nordspot am Fr 26. Jul 2019, 11:14, insgesamt 1-mal geändert.
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor nordspot für den Beitrag:
Maege81 (Fr 26. Jul 2019, 13:16)
nordspot Konstanz

Markus Pfister
Beiträge: 1860
Registriert: So 19. Aug 2001, 20:08
Geschlecht: männlich
Wohnort: 9056 Gais
Hat sich bedankt: 126 Mal
Danksagung erhalten: 755 Mal

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Markus Pfister » Fr 26. Jul 2019, 11:47

Nachtrag wegen dem DWD-Bericht: Wenn von "äusserst trockener Grenzschicht" gesprochen wird, dann spricht man hier die relative Luftfeuchtigkeit an, so lange die Luft aufgheizt ist wie jetzt. Mein Beitrag war mehr auf den absoluten Wassergehalt der Luft fokussiert, um sehen zu können, was passieren wird, wenn man zunehmend quetscht und abkühlt.

Dazu ein kurzes Beispiel: Wenn es 35 Grad heiss ist, bei hohem Taupunkt von 19 Grad (15g Wasser pro m3), beträgt die relative Luftfeuchte trotzdem nur 39%. Ein Gewitterabwind einer Einzelzelle, der in diese 39% reinfällt, wird daher zusätzlich gekühlt (Verdunstung) und beschleunigt.

Gruss

Markus
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Markus Pfister für den Beitrag (Insgesamt 3):
Mathias Uster (Fr 26. Jul 2019, 12:07) • Bruno Amriswil (Fr 26. Jul 2019, 12:09) • zti (Fr 26. Jul 2019, 12:36)
Schwäbrig, Gais/AR, 1150m

B3rgl3r
Beiträge: 569
Registriert: Mo 12. Jul 2010, 14:40
Geschlecht: männlich
Wohnort: 7408
Hat sich bedankt: 9 Mal
Danksagung erhalten: 47 Mal

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von B3rgl3r » Fr 26. Jul 2019, 12:15

Hab mir noch ein paar Karten angeschaut. AROME scheint auch an einem langsam ziehenden MCS herumzurechnen.

AROME: Trigger gegen 16:00 im BEO, 17:30 LU, 19.30 ZH, 21:00 TG/SG/Ennet dem BodenSee
COSMO-D2: Trigger gegen 16:00 im BEO, 19:00 LU, 20.00 ZH, 21:00 Ennet dem BodenSee
AROME zieht langsamer, COSMO schneller, bremst im Raum Züri (vermutlich im Feierabendverkehr :mrgreen: )
ESTOFEX Ruhig... Nüx.

Es gibt gewisse Modelle die eher Ruhig und keine MCS sehen (ECMWF, etc...). Aber wenn sich AROME und COSMO einig sind? Und die Modelle sind normal nicht sooo verkehrt.

Verwegene Frage: Rohrkrepierer möglich? Was spräche für ein solches Szenario (d.h. nur lokal vereinzelte Gewitter).
Aktuell wie oben (TPA, TP, Sync von COSMO-D2 und AROME, etc...) sehe ich wenig, das für einen Rohkrepierer spricht... aber evtl. gibts ja auch mal eine kritische Stimme? :roll: Dass Estofex nicht mal einen Level1 draussen hat... :roll: :-?

//Edit: Strapaziere den Begriff MCS, weil die Suppe (nach obigen beiden Modellen) nicht nur die klassische Schiene nehmen soll, sondern auch über URI/GR nach Norden zieht und sich dann im Flachland mit den Bernern vereint :mrgreen: (nach obigen Modellen; Der normale COSMO sieht "nur" die klassische Schiene, dann wirds evtl. nix mit MCS). Hier türmelts auch schon :roll:
Zuletzt geändert von B3rgl3r am Fr 26. Jul 2019, 12:28, insgesamt 3-mal geändert.

{{ Viele Grüsse, Andy @ 7408 Cazis > Davis Vantage VUE im Garten > Messwerte }}

Markus Pfister
Beiträge: 1860
Registriert: So 19. Aug 2001, 20:08
Geschlecht: männlich
Wohnort: 9056 Gais
Hat sich bedankt: 126 Mal
Danksagung erhalten: 755 Mal

Re: FCST / NCST Gewitter 26./27.07.2019

Beitrag von Markus Pfister » Fr 26. Jul 2019, 12:34

Ein Rohrkrepierer in Form einer zeitlichen Verzögerung ist meiner Einschätzung nach denkbar. Der Titel des Events umfasst aber 48 Stunden, und da sehe ich weniger Probleme bei der Lage. Morgen vielleicht etwas wenig Sonne? Möglich, aber unser Sandkasten wird ja erst am Sonntag Morgen abtransportiert. Ein lokaler Rohrkrepierer ist immer möglich, das liegt in der Natur von konvektiver Umlagerung (Rohrkrepierer neben Rohrbruch). Zu Beginn werden die Gewitter die Berge bevorzugen, doch sobald der Druck tief genug ist, und die Talwinde aufhören, ist alles offen. Als Gewitter würde ich dann das Flachland wählen, denn 2000 Meter schwüle Luft unter sich zu haben ist doch besser als 2000 Meter Fels und Gestein ;-)

Gruss

Markus
Folgende Benutzer bedankten sich beim Autor Markus Pfister für den Beitrag:
nordspot (Fr 26. Jul 2019, 14:06)
Schwäbrig, Gais/AR, 1150m

Antworten