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Segelflieger-Rekordflug bis 23'200 m

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Federwolke
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Segelflieger-Rekordflug bis 23'200 m

Beitrag von Federwolke » Mi 5. Sep 2018, 01:14

Bin soeben über diesen Artikel gestolpert: https://bazonline.ch/wissen/technik/23- ... y/29037534

Erstaunlich ist ja, dass ein Flugzeug ohne Motor solche Höhen erreichen kann, immerhin muss die Tropopause überwunden werden. In einem Overshooting-Top eines mächtigen Gewitters bestimmt kein Problem ;) Die Erklärung im Artikel hilft jedenfalls nicht weiter:
Im Gegensatz zur U-2 wird die Perlan 2 aber nicht von einem Triebwerk mit 17'000 lbs Schub angetrieben, sondern nutzt ein besonderes Zusammenspiel von troposphärischen und polaren Luftströmungen zum Auftrieb. Solche gibt es nur an wenigen Orten weltweit, momentan in der Region El Calafate in Patagonien im Süden Argentiniens. Am Fusse der Anden werden Aufwinde durch sogenannte Kaltluftzonen über der Arktis und Antarktis verstärkt.
Anden und Antarktis würde ich ja gerade noch so zusammenbringen, aber Arktis? Dass im Südsommer über den Anden starke Aufwinde erzeugt werden können, leuchtet mir noch ein. Ich hätte auf zusätzliche orographische Hebung der stürmischen Westwinde getippt, die sich als Wellen bis über die Tropopause hinweg fortsetzen. Hat jemand eine bessere Erklärung?
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Matt (8800 Thalwil)
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Re: Segelflieger-Rekordflug bis 23'200 m

Beitrag von Matt (8800 Thalwil) » Mi 5. Sep 2018, 09:33

Die Erklärung im verlinkten Artikel ist wirr und erst noch falsch übersetzt (aus der Pressemitteilung). Im Grossen und Ganzen handelt es sich um Leewellen, welche beim Überströmen der Anden entstehen. Thermik spielt da keine Rolle. Jetstream trifft ideal rechtwinklig auf hohes Gebirge. Auch in den Alpen können Segelflieger bei entsprechenden Bedingungen (Föhnsturm) bis an die Tropopause aufsteigen, sogar über den deutschen Mittelgebirgen gibt es Leewellen, welche Aufstiege auf mehrere tausend Meter erlauben.

Projekt: http://www.perlanproject.org/science

Wetterlage gestern:
Bild

Pfälzer Wald:
https://www.youtube.com/watch?v=4CQ7TxkZ7Po

Gruess, Matt
Zuletzt geändert von Matt (8800 Thalwil) am Mi 5. Sep 2018, 09:39, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Segelflieger-Rekordflug bis 23'200 m

Beitrag von Willi » Mi 5. Sep 2018, 09:34

Am Fusse der Anden werden Aufwinde durch sogenannte Kaltluftzonen über der Arktis und Antarktis verstärkt.
Also das mit der Arktis ist wohl ein Verschreiber, die Anden sind ja südlich des Äquators.

Ich stelle mir eine Wechselwirkung zwischen dem Jetstream und einem Gebirge vor. Die Spitze von Südamerika (Patagonien) ist die einzige Landzunge, welche mit dem Jetstream um die Antarktis herum "häufig" in Berührung kommt.

Gruss Willi

ps danke Matt, warst schneller.

Quelle: wetter3.de
Bild
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Re: Segelflieger-Rekordflug bis 23'200 m

Beitrag von Federwolke » Mi 5. Sep 2018, 11:10

Ja, so ungefähr habe ich mir das vorgestellt. Im Link zum Projekt (Danke Matt!) ist es erklärt:
Winds in the Polar Vortex can reach speeds of 260+ knots allowing the mountain waves to propagate upwards into the stratosphere. These are called “stratospheric mountain waves.”
Wenn Arktis und Antarktis mit den Anden im selben Satz genannt werden, ist es kein Vertipper. Allenfalls ein Zeichen dafür, dass der Artikelschreiber keine Ahnung hat ;)

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