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Stärke und Häufigkeit von Inversionen in Hintergräppelen

Verfasst: Do 6. Dez 2018, 18:03
von Stephan
Seit Ende September 2017 steht in Hintergräppelen neben der Hauptstation in der Senke eine Nebenstation am Mittelberg:
Stephan hat geschrieben:
Do 28. Sep 2017, 01:25
Und wenn man schon grad dran ist, dann kann man auch gleich den Hang zur Dritt-Station ausleben:

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Diese Nebenstation ist über dem Kaltluftsee platziert: Damit lässt sich die Stärke der Inversion bestimmen.
Mittlerweile sind mehr als ein Jahr mit Daten aufgelaufen. Zeit, einen ersten Blick in diese zu werfen und zu kucken, wie es sich mit den vertikalen Temperaturunterschieden so verhält. Ausgewertet wurde das tägliche Maximum der Differenz zwischen der Senke und der Hanglage über dem Kaltluftsee. Leider gab es nach dem 12. Oktober 2018 Probleme mit dem Logger am Mittelberg, sodass nur 377 Tage ausgewertet werden konnten. Hier die Resultate auf einen Blick:

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Folgende Punkte Fallen auf:
  • An etwa 6 von 7 Tagen trat eine erwähnenswerte Inversion auf (>2 K)
  • An 5 von 7 Tagen war die Inversion stärker als 5 K - das merkt auch der unbedarfte Wanderer schon ganz gut am eigenen Leib. Maximum erstaunlicherweise im Hochsommer...
  • In jedem Monat traten Inversionen von mehr als 10 K auf. Bei dieser Klasse lohnt sich die Betrachtung über den Jahresverlauf: Von einer stabilen Hochdrucklage geprägt war der Oktober 2018. In den Monaten November und Dezember 2017 lag ordentlich Schnee und es gab immer wieder Strahlungsfenster, welche hier die Werte in die Höhe treiben. Grausam für einen Hochwintermonat dann der Januar 2018. Der Februar war zwar relativ kalt, jedoch gab es häufig auch Phasen mit hochreichendem Hochnebel. Interessant dann die Phase der Schneeschmelze im April: Es ist zu vermuten, dass unten im Kaltluftsee der Schnee noch konserviert wird, während es weiter oben schon ausapert – mit dem entsprechenden Einfluss auf den Temperaturverlauf. Im Mai zeigt sich vermutlich, dass sich die komplette Ausaperung in einer ersten Phase auf die Bodenfeuchte durchschlägt, welche die beginnende meteorologische Trockenheit zu kompensieren vermag: sowohl die Anzahl als auch die Stärke der Inversionen ist gedämpft. Über die Sommermonate nimmt dann die Stärke und Anzahl der Inversionen wieder zu – Stichworte: blockierende Wetterlagen und Trockenheit…
  • Inversionsstärken von mehr als 20 K sind auf Situationen mit Schnee am Boden beschränkt und extreme Inversionen von mehr als 25 K traten nur an drei Tagen im Dezember 2018 auf - interessanterweise während sog. Persistent Cold-Air Pool (PCAP)-Situationen, als der Kaltluftsee über mehrere Tage hinweg nicht ausgeräumt wurde, und nicht etwa in den Situationen mit den tiefsten Minima Mitte bzw. Ende Februar 2018.
Gruss, Stephan