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Klimawandel und euer Standpunkt

Erdbeben, Kameras, Forumkritik usw.
Necronom
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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Necronom » Fr 10. Mai 2019, 20:43

Hallo Matthias

Vielen Dank für deinen Input. Da wird es doch gerade spannend!
Ich bin sehr gerne bereit über Ideologie und Wissenschaftstheorie zu diskutieren. Und ich bin sehr gerne bereit, deine Perspektiven, deine Kritikpunkte kennenzulernen und sachlich darüber zu debattieren.

Meine multiperspektivistische wissenschaftstheoretische Grundhaltung resultiert unter anderem aus Rezeption folgender Lektüren:

Brühl, Rolf (2017). Wie Wissenschaft Wissen schafft. Theorie und Ethik (2.Auflage). Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH..

Ernst, Gerhard (2016). Einführung in die Erkenntnistheorie (6., unveränderte Auflage). Darmstadt: WBG (Wissenschaftliche Buchgesellschaft).

Kuhn, Thomas S. (1976). Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen (Zweite revidierte Auflage). Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag

Nietzsche, Friedrich (1996). Der Wille zur Macht. Versuch eine Umwertung aller Werte (13., durchges. Auflage mit einem Nachwort von Walter Gebhard). Stuttgart: Kröner Verlag.

Nietzsche, Friedrich (2016). Jenseits von Gut und Böse. Zur Genealogie der Moral. (Kritische Studienausgabe. Herausgegeben von Giorgio Colli und Mazzino Montinari) (14. Auflage). München: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.

Schütz, Alfred (2004). Common-Sense und wissenschaftliche Interpretation menschlichen Handelns. In: Strübing, Jörg und Bernt Schnettler (Hg.). Methodologie interpretativer Sozialforschung. Klassische Grundlagentexte (155–200). Konstanz: UVK Verl.-Ges.

Schülein, Johann August und Simon Reitze (2016). Wissenschaftstheorie für Einsteiger (4. Auflage). Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG.

Mir ist bewusst, dass dies nur ein Sandkorn aus der Vielfalt an Lektüre dazu ist. Deshalb betone ich ja, keinen Wahrheitsanspruch zu hegen. Mir geht es dabei vor allem um die Sozialwissenschaften. Es geht um die Beurteilung und Herangehensweise. Um die kritische Reflexion des eigenen Standpunktes und anderen Standpunkten in Bezug auf die politische Deutung wissenschaftlicher "Fakten" (auch darüber könnte man philosophieren). Aus meiner Sicht kann man das schon auch unter diesem Themendach reflektieren. Auch das ist wohl Ansichtssache.

Es könnte ja gerade eine spannende Diskussion sein, darüber zu diskutieren, was einfach nur ein Standpunkt ist und was ein ideologischer Standpunkt. Was ist eigentlich Ideologie?
Ich habe im Buchregal noch Karl Mannheims Werk "Ideologie und Utopie" stehen. Kam aber leider noch nicht dazu, es zu lesen. Aber auf alle Fälle wurde auch dazu wohl sehr viel geschrieben und wäre eine spannende Diskussion.

Ganz grundsätzlich kann es auch sein, dass ich dein Beitrag nicht so gedeudet und decodiert habe, wie du es eigentlich beabsichtigt hast (und umgekehrt). Missverständnisse gibt es wohl in der Kommunikation ganz häufig bei solchen Themen :-)

Wenn diese Diskussion hier nicht erwünscht ist und solche Beiträge nicht erwünscht sind, dann dürfen diese gerne gelöscht werden.



Edit: Um noch konkret nachzufragen. Hältst du deine Äusserungen für unideologisch und unpolitisch?
Matthias_BL hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 20:07


In meiner Welt gibt es eben nicht nur Kapitalismus oder Kommunismus, Demokratie vs. Kapitalismus, Sozialismus, Neoliberalismus, etc.
Freie Marktwirtschaft heisst, das was wir zur Zeit Leben. Die aber in einer Diktatur, die von den politischen Eliten & der Wirtschaft (Nein;: Nicht dem Kapitalismus!) geschürten, eingeschüchterten Pöbel (oder Volch!) der dann sogenannten Demokratischen Mehrheit, die zu allem Jajaja sagt, um ja keine bilateralen Verträge zu verlieren alles gut heisst und sich auch noch eine billige AHV, für eine verlustreiche Unternehmenssteuer verkaufen lässt.

Oder eingeschüchtert aus Angst um die Jobs hier in der Schweiz nur "Jajaja" abstimmen wie es einem im Büchlein vorgesagt wird, um dann später festzustellen, dass Du mit >50j eh keinen Job mehr kriegst und in der SBB, der Bundesverwaltung, Post, Swisscom in Kaderstellen mehr Deutsche als Schweizer anzutreffen sind, usw.?
Was ist für dich unideologisch und unpolitisch? Das meine ich keineswegs subversiv kritisch oder so. Es geht wirklich nur um mein Verständnis. Ich akzeptiere deine Sichtweise, ich möchte sie nur nachvollziehen können. Die Frage der Objektivität beschäftigt mich seit Jahren.
Zuletzt geändert von Necronom am Fr 10. Mai 2019, 20:51, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Federwolke » Fr 10. Mai 2019, 21:25

Matthias_BL hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 20:07
... leider bedanken die sich noch kommentarlos dafür :warm:. - denn es gibt nämlich genau so viel Gegenrede und Referenzen für viele andere Anschauungen - das liebe Mods, wäre wissenschaftlich gedacht gewesen und v.a. politisch neutral.
Hoi Matthias

Falls du es noch nicht bemerkt haben solltest, befindet sich dieses Thema im OffTopic-Unterforum. Rein wissenschaftliche Auseinandersetzungen mit dem Klima finden im Unterforum "Wissenswertes" statt. Es es steht dir selbstverständlich frei, das OffTopic-Forum zu ignorieren, wenn es dir hier zu ideologisch wird ;) Und woher kommt eigentlich der Anspruch, Moderatoren müssten politisch neutral sein?

Ich finde die Diskussionen hier gerade wegen der unterschiedlichen Standpunkte und Sichtweisen bereichernd. Und weil der Artikel von Prof. Wanner ebenso verschiedene Standpunkte aufzählt, dachte ich, dass er bestens hier hineinpasst.

Was meinen persönlichen Standpunkt betrifft, so ist er vielleicht noch zu wenig herüber gekommen: Ich bin der Überzeugung, dass die Wissenschaft heute weit genug ist, um Entscheidungsgrundlage für unser zukünftiges Handeln zu bieten. Wenn man von einer Klippe springen will, dann weiss jeder vernünftige Mensch, dass es physikalische Gesetze gibt, die den Aufschlag unten unausweichlich machen. Es wird dem Einzelnen nichts nützen, wenn er nicht an diese Physik glaubt. Genau gleich verhält es sich mit unserem Klima und allen anderen Folgen, die das Wirken des Menschen auf diesem Planeten nach sich ziehen.

Meiner Meinung nach sind jetzt Politik auf ethischen Grundlagen und viel Psychologie gefragt. Einerseits müssen jene, die eigentlich wissen was es geschlagen hat, dazu gebracht werden, nicht nur zu reden und zu hoffen, dass andere handeln, sondern selbst aktiv zu werden. Und zweitens müssen all jene, die immer noch glauben, dass wenn man mit Vollgas auf die Klippe zu fährt, die Physik dann schon irgendwie ausser Kraft gesetzt wird, endlich aufhören, sich die Tatsachen schönzulügen.
Zuletzt geändert von Federwolke am Fr 10. Mai 2019, 21:26, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Matthias_BL » Fr 10. Mai 2019, 21:32

Edit: Um noch konkret nachzufragen. Hältst du deine Äusserungen für unideologisch und unpolitisch?
Matthias_BL hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 20:07
In meiner Welt gibt es eben nicht nur Kapitalismus oder Kommunismus, Demokratie vs. Kapitalismus, Sozialismus, Neoliberalismus, etc.
Freie Marktwirtschaft heisst, das was wir zur Zeit Leben. Die aber in einer Diktatur, die von den politischen Eliten & der Wirtschaft (Nein;: Nicht dem Kapitalismus!) geschürten, eingeschüchterten Pöbel (oder Volch!) der dann sogenannten Demokratischen Mehrheit, die zu allem Jajaja sagt, um ja keine bilateralen Verträge zu verlieren alles gut heisst und sich auch noch eine billige AHV, für eine verlustreiche Unternehmenssteuer verkaufen lässt.

Oder eingeschüchtert aus Angst um die Jobs hier in der Schweiz nur "Jajaja" abstimmen wie es einem im Büchlein vorgesagt wird, um dann später festzustellen, dass Du mit >50j eh keinen Job mehr kriegst und in der SBB, der Bundesverwaltung, Post, Swisscom in Kaderstellen mehr Deutsche als Schweizer anzutreffen sind, usw.?
Hey nein, keineswegs. Ich glaube Du hast mich schon verstanden - die Äusserungen waren klar in diametraler Art eben politisch und auf die eine Weise einer Ideologie folgend. Das könnte ja noch spanned werden in der Diskussion :up: - Du dabei mit Nietzsche, Gerhard Brühl so unterwegs. Das sind auch meine Freunde :lol: aber es kommen da noch ein paar alte Griechen dazu.

Morgen ist aber auch noch ein Tag.

Grüsse
Matthias
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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Matthias_BL » Fr 10. Mai 2019, 21:50

Federwolke hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 21:25
Und woher kommt eigentlich der Anspruch, Moderatoren müssten politisch neutral sein?
Stimmt Fabienne, ich glaube das habe mir das einfach mal so ausgedacht oder eingebildet im Gedanken daran, dass ich lieber hier in einem Sturmforum unter OffTopic meine Gedanken und Meinung zu den Gedanken von Necronom schreibe und eben nicht bei der SP, den Grünen, noch der SVP oder der FDP etwas in ihr Forum und Parteibüechli schreibe. Sorry - wohl mein Fehler.

Also Mods: Lasst uns nun doch bitte immer uns allen eure Abstimmungsempfehlungen verlauten, wie wir Sturmforum-User dann am 19.5. und auch sonst zu stimmen haben. Es besteht ja scheinbar kein Anspruch darauf, neutral zu sein - wie man ja liest.

Grüsse
Matthias

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Federwolke » Fr 10. Mai 2019, 22:19

Hoi Matthias

Beruhigt es dich, wenn ich dir sage, dass mein "Danke" an Necronoms Beitrag nicht eine politische Zustimmung, sondern das war, was es sein sollte: Ein Danke für das Einbringen einer neuen Sichtweise in die Diskussion?

Ich erzähle jetzt mal ein bisschen aus dem Nähkästchen meiner politischen Erfahrung. Ich war vor vielen Jahren, als ich noch an der Uni studierte, Mitglied beim Grünen Bündnis Bern und dort in der Arbeitsgruppe Ökologie aktiv. Damals war ich noch naiv genug zu glauben, dass ich zumindest auf lokalpolitischer Ebene etwas von meinem Wissen einbringen und etwas bewegen könnte. Erinnert ihr euch noch an den Sommer 2003? Im Herbst darauf waren nationale Wahlen und der Hitzesommer wurde von den Grünen sowas von ausgeschlachtet, dass einem als Naturwissenschaftlerin schlecht werden konnte. Ich hatte damals gewarnt, dass dieser Bumerang schneller zurückfliegen könnte, als manche denken. So war es dann auch... Bald darauf war in Bern und somit auch in unserer Arbeitsgruppe das Tram Bern West ein Thema (der erste Entwurf wurde vom Stimmvolk abgelehnt). Ein SVP-Politiker machte einen neuen Vorschlag, wie man das Tram Bern West dem Stimmvolk in einer zweiten Version doch noch schmackhaft machen könnte. Und was machen die Grünen: Sie sind dagegen! Auf meine Frage, warum denn gegen etwas sein, das man doch selbst gerne haben möchte? Die Antwort war: Weil es von der falschen Partei kommt! Kurz darauf war ich aus der Partei ausgetreten und bin seither parteilos. Das entbindet mich allerdings nicht von der Verantwortung, meine Sichtweise zum Klimawandel gerade aus der beruflichen Erfahrung und dem Hintergrundwissen (ich behaupte mal, das sei etwas höher als jener der Durchschnittsbevölkerung) auch politisch zu äussern.

Und hier noch meine Abstimmungsempfehlung zu den nationalen Vorlagen vom 19. Mai: :roll:
Zuletzt geändert von Federwolke am Fr 10. Mai 2019, 22:21, insgesamt 1-mal geändert.
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Michael (Gränichen) (Sa 11. Mai 2019, 10:57) • Matthias_BL (Sa 11. Mai 2019, 12:52)

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Necronom » Sa 11. Mai 2019, 12:54

Noch eine Korrektur bezüglich meines Beitrages weiter oben:
Necronom hat geschrieben:
Fr 10. Mai 2019, 20:43

Meine multiperspektivistische wissenschaftstheoretische Grundhaltung resultiert unter anderem aus Rezeption folgender Lektüren:
Manche dieser Lektüren habe ich komplett gelesen, manche sind laufende Projekte und aus manchen habe ich Ausschnitte gelesen. Die Aussage oben hat womöglich den Eindruck erweckt, ich habe alles von A bis Z durchgelesen. Das stimmt nicht. Möchte da ganz korrekt sein.


@Fabienne: "Weil es von der falschen Partei kommt!" Interessante Erfahrung.

Auch kurz aus meinem Nähkästchen ganz grundsätzlich zu unserer sehr spannenden Debatte und zur Nachvollziehbarkeit meines "Standpunktes":
Ich habe eine Berufslehre gemacht (Detailhandelsfachmann EFZ, Bereich Lebensmittel), später dann BM für Erwachsene, Fachhochschule, jetzt Uni, bin immer wieder im Detailhandel und Logistik am Jobben, aber habe auch Praktika gemacht im Journalismus, in der Kommunikationsabteilung eines internationalen Unternehmens, in Vereinen gearbeitet und mich engagiert. Ich habe unterschiedliche "soziale Milieus" und unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen kennengelernt. Ich habe mit SVP-AnhängerInnen, mit KommunistInnen, mit AnhängerInnen unterschiedlicher ökonomischer Richtungen, mit PolitologInnen, mit SoziologInnen, PhilosophInnen, mit ArbeitskollegInnen in unterschiedlichen Branchen etc. diskutiert. Und ich habe da ganz unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Wahrheiten, unterschiedlichen Begriffen von Demokratie, Wissenschaften, Objektivität, Liberalismus etc. kennengelernt. Und ich habe gemerkt, dass das, was die einen als unideologisch empfinden, für andere ideologisch ist und umgekehrt. Je nach dem, was man für wahr haltet! Ich spreche hier wiederum vor allem von Wahrheiten im Feld der Sozialwissenschaften (philosophisch wird es aber auch ganz allgemein spannend, wenn wir in die Erkenntnistheorie eintauchen oder an die Grenze der Erkenntnis bspw. der Physik gelangen, finde ich absolut spannend. Bei einer Google-Recherche bspw. folgender Link ganz zufällig gefunden: https://www.uni-muenster.de/Physik.TP/a ... -paper.pdf )

Was ich damit aussagen möchte, ist, dass das, was als wahr, unideologisch und unpolitisch betrachtet wird, von der Perspektive abhängig betrachtet werden kann. Die Dekonstruktion der eigene Glaubenssätze, das Herausfordern der eigenen kognitiven Gärtchen und der Aufbau der Fähigkeit, sich in andere Perspektiven reinzuversetzen, können den Horizont erweitern. Allerdings bin ich mir bewusst dass auch dies nur eine Perspektive und keineswegs die Wahrheit ist. Es kann hier eine Verschachtelung wahrgenommen werden: Die Aussagen über erkenntnistheoretische und wissenschaftstheoretische Positionen sind gleichzeitig Aussagen innerhalb einer erkenntnistheoretischen und wissenschaftstheoretischen Position.

Und jetzt bin ich wohl wirklich weit entfernt vom eigentlichen Thema und wiederhole mich glaube ich auch. Es ging mir nur um den Versuch der besseren Nachvollziehbarkeit meines Standpunktes. Nicht dass dieser irgendeine Relevanz hat. Aber zum Schreiben und Debattieren sind ja Foren da :) Und in Verbindung bringen kann man diese Überlegungen ja schon mit der Deutung und Interpretation wissenschaftlicher Erkenntnis im Bereich des Klimas.

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Matthias_BL » Sa 11. Mai 2019, 14:23

Hello zäme,

Hei ist das schön, es knistert wieder mal so schön im Form - weiss schon, warum ich hier seit 2002 schon dabei bin :-D .

Danke Fabienne für diese Insights, auch Necronom für Deinen Input. Ich arbeitete damals noch in Ostermundigen - im Hochhaus - als die Diskussion um das "Tram Bern West" war und habe das daher etwas verfolgt.

Und mein Nähkästchen plaudert, dass ich vor ca. 25jahren mal regionaler Sektionspräsident der FDP war und die vorherrschenden Meinungen auch nicht mehr mit meinen Ansichten und Erkenntnissen vereinbaren konnte - auch aus der Partei ausgetreten bin und seither parteilos bis.

Nach naturwissenschaftlichem Studium hab ich 1996 :!: meine Vordiplomarbeit zum Thema "Globale Umweltveränderungen" abgeliefert, die v.a. auf den Studien von George Nisbet basierte. Damals hatten wie CO2 noch auf ca. 360ppm nicht so wie heute auf 410ppm (nach Messwerten Mauna Loa, Hawaii). Damals schon "Endzeitpropheten", wenn das mal >400ppm sei usw. - aber lassen wir das.

Folgendes motiviert mich, gegen Ideologien Stellung zu nehmen:
Egal ob ich Kapitalist, Sozialist, Marxist, Grüner, Gelber, oder Roter - oder Brauner :warm: - bin- wir sitzen alle im selben Boot namens Erde. Also bringt es nichts, gegen links, rechts, oben oder unten zu treten, andere Verantwortlich zu machen und seinen Standpunkt als "Gut" oder "Schlecht" zu qualifizieren.

Nun doch noch ein kurzer Ausflug in die Philosophie, lieber Necronom:

Erfahrungen (experientia vaga) sind unzuverlässig (damit befand sich Spinoza ganz im Einklang mit seinen Zeitgenossen); sie liefern kein wahres Wissen von unseren Erkenntnisobjekten, denn sie präsentieren uns nur ein unvollständiges, vergängliches und trügerisches Bild dessen, was der Betrachter zu sehen meint. Diese Sinneserfahrung – ebenso die Erinnerung (ex signis) – erlaubt uns nur oberflächliches „Wissen“, wie es aus einer bestimmten Perspektive und zu einem bestimmten Zeitpunkt erscheint. Das Ergebnis ist ein konfuses und verstümmeltes Wissen (einschließlich des Glaubens an Zufall und des Aberglaubens), es ist das Gegenteil von wahrer Einsicht in das Wesen der Dinge.

[...]

Auch gibt es (auf Grund der weltimmanenten Notwendigkeit) für den Einsichtigen nur wertneutrale Ursachen; wer von „gut“ oder „schlecht“ spricht, verfügt nur über oberflächliches „Wissen“.

Mehr unter: https://de.wikipedia.org/wiki/Baruch_de ... nistheorie - (oder lest alle seine Schriften mal selbst - ist keine Zeitverschwendung.)

Klimademos in einer Live-Übertragung haben mich erschüttert, als einer mit Megaphon vor die Menge Stand und schrie: "Wir müssen das einfach glauben, dass es so ist". :help: Ich für mich sagte "Amen" :neinei:.

Nun da wir ja OffTopic sind, kann ich etwas weiter ausholen (Danke Fabienne ;-)):
Stellt euch vor, ihr habt etwas Geld geerbt und macht damit eine kleine/mittlere Firma auf: Handwerk Dienstleistung oder so. Habt 100 Mitarbeiter, gegen 10Mio. Umsatz und viell. gegen 750'000.-/ Jahr Gewinn davon. Damit bezahlt ihr eure eigene PK, die AHV, unterstützt die Familie und Sozialprojekte, Bedürftige, usw. und könnt davon leben und eure Kosten für Essen, Haus, usw. bezahlen! Nun ändert sich aber die Gesetzgebung und Du musst auf einmal grosse Abgaben zahlen, so dass du Verlust schreibst. Wäre es dann nicht besser alle Angestellten zu Entlassen - egal welche Konsequenzen es auch für die 100 und ihre Angehörigen hat - die Firma zu liquidieren, Dein Geld an der Börse/in die Industrie zu investieren und von dem Ertrag zu leben?

Wofür das Beispiel: Jeder trägt Verantwortung, mit oder ohne Kapital, egal als Angestellter oder aber Arbeitgeber. Jeder braucht positive Anreize um etwas zu verändern. Wenn es einem zum Nachteil gereicht, ist auch der Klimaschutz egal. Also anstelle am Freitag für das Klima zu streiken, sollten wir uns viell. überlegen, was den Unternehmen - wo die meisten von uns Angestellt sind - Anreize verschaffen könnte, etwas für das Klima zu tun. Ah, Unternehmenssteuerreform haben wir ja gerade aktuell - aber nein, das wird kein Werbespot für eine Meinung: Nur die Frage: Was im neuen Unternehmenssteuergesetz berücksichtigt auch nur ansatzweise ein für das Klima positiv auswirkendes Verhalten? Ich habe vergebens danach gesucht, dass z.B. Unternehmen belohnt werden (z.B. durch tiefere Steuern), wenn sie nachweisen, dass Ihre Mitarbeiter einen Tag pro Woche von Zuhause aus arbeiten. Einen Tag pro Woche hiesse, 20% weniger Belastung der Strassen, der Bahnen, der ÖV.

Die 38‘223 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundes haben theoretisch solche Regelungen, nur leider ist der Machtanspruch/Kontrollanspruch der Chefs, das Mobbing/Misstrauen unter den Mitarbeitenden selbst der Grund, warum das gar nicht ausgeschöpft wird.

Warum höre ich ständig am Radio und lese in den Printmedien grossformatige Werbung für das Auto der Marke xyz mit Verbrennungsmotor, neu mit 0.001% Leasing, das ich mir sonst eigentlich gar nicht leisten könnte. Schlage die Sonntagspresse auf und mir fallen mind. 4 Prospekte für günstige Flüge in die Hand. Sharm-el-Seich für nur CHF 199.- pro Woche - sofort buchen. Aha.

Auf den Zigarettenpäckchen muss stehen: "Achtung, das kann ihre Gesundheit gefährden" - auf den Hochglanzprospekten der neuen SUV bis 3.5t steht aber nicht: "Achtung: Der Kauf kann die Welt/das Klima gefährden", usw.!

Was wäre wenn jede Werbung für Autos mit Verbrenner, jeder Werbung für Ferienflüge einen Klimaaufpreis bezahlen müssten? Anreize geschaffen würden - jede Werbung für ein e-Auto kriegt Rabatt - usw.!

Leider aber sehe ich mehr die Haltung, die mir widersprüchlich - wie mit dem Tram Bern West - erscheint: Die sollen mal was machen, die Kapitalisten - oder wer auch immer je nach politischer Couleur gemeint - indessen macht doch jeder in der Zwischenzeit so weiter wie bisher - und ich treffe im Winter jeden Donnerstag und Freitag im Bahnhof Bern hunderte an, die sich ein Skiwochenende "gönnen" - Schnee, Klima, Wetter, egal. Dafür gibt's ja eh Schneekanonen die sicher keinen Strom und kein Wasser brauchen.

Mich dauert es einfach, dass wir im Alltag und der Gesetzgebung über die wir entscheiden können scheinbar nicht erwarten, den ökologischen Aspekt zu berücksichtigen. Daher auch meine Abstimmungsempfehlung zu den nationalen Vorlagen vom 19. Mai (wie Fabienne): :roll:

Grüsse
Matthias

Edit: Einige Typos und die lieben Kommas.
Zuletzt geändert von Matthias_BL am Sa 11. Mai 2019, 15:14, insgesamt 1-mal geändert.
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Necronom (Sa 11. Mai 2019, 14:56) • Federwolke (Sa 11. Mai 2019, 16:01) • Michael (Gränichen) (Sa 11. Mai 2019, 21:03)

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Mathias1000 » Sa 11. Mai 2019, 15:12

Deine Fragen sind sehr einfach beantwortet.
Das Klima ist doch allen egal, Hauptsache man kann Geld verdienen. :-X

Aber eines Tages wird sich die Natur rächen. :fluchen:

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Willi » Sa 11. Mai 2019, 15:20

Wenn nun Themen wie Kapitalismus und/oder Demokratie hier im Thema sind, mit Zitaten/Referenzen auf Habermas, Kastrup, Kocka, Selwyn - hätte ich erwartet, das unsere Mods eigentlich die politischen Geister in Schranken weisen - aber nein, leider bedanken die sich noch kommentarlos dafür
Da lief ja einiges gestern abend, als ich im Theater sass...

Meine "Likes" gebe ich meist spontan, z.B. um einen Beitrag zu honorieren, welcher sich vom "Mainstream" mehr als üblich abhebt, weniger um meine Zustimmung zum Inhalt eines Beitrages auszudrücken. Eine Regulierung der Forum-Beiträge nach politischen Gesichtspunkten finde ich unnötig, ja kontraproduktiv, sie entspricht in keiner Art und Weise den vor langer Zeit formulierten Forum-Regeln.

Meine Sicht zu unserem Umgang mit einem sich wandelnden Klima dürfte auch hinlänglich bekannt sein, trotzdem gebe ich gerne meine völlig unmassgebliche und unbedeutende Meinung dazu (eine Formulierung aus einem grossen Land in Fernost, dessen Polit-"Kultur" ich zutiefst verachte, aber das ist hier Nebensache). In der Schweiz leben wir nach wie vor in einer ungebrochenen Wohlstandsinsel, wir profitieren von Erfindungen und Entwicklungen höchst kapitalistischen Ursprungs und haben bislang die Folgen der Klimaerwärmung höchstens marginal am eigenen Leib zu spüren bekommen. Solange das so bleibt, ist mit Politik kein Staat zu machen, wie auch, es geht uns ja gut. Wir haben in der Schweiz ein gut austariertes, aber auch ein schwerfälliges politisches System. Die Politik kann vielleicht die richtigen Fragen stellen, Überzeugungsarbeit leisten, und chronische Nörgler und Besserwisser in die Schranken weisen. Aber viel eher zähle ich auf verantwortungsbewusstes Unternehmertum, auf Leute, welche sich voll und ganz klimarelevanten Zielsetzungen verschreiben. Das Problem ist halt, dass die klimarelevanten Aktivitäten weltweit vonnöten sind, in diese Richtung sollten wir versuchen, unseren Beitrag zu leisten.

Ach, nur nebenbei: Titelseite NZZ heute - "Querfront gegen den Fortschritt". Hat auch wenig mit Klima zu tun, ist aber trotzdem lesenswert :-)
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Matthias_BL (Sa 11. Mai 2019, 15:41) • lukasm (Sa 11. Mai 2019, 15:47)
Gruss Willi
Immer da wenn's wettert

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Re: Klimawandel und euer Standpunkt

Beitrag von Matthias_BL » Sa 11. Mai 2019, 15:40

Mathias1000 hat geschrieben:
Sa 11. Mai 2019, 15:12
Deine Fragen sind sehr einfach beantwortet.
Das Klima ist doch allen egal, Hauptsache man kann Geld verdienen. :-X

Aber eines Tages wird sich die Natur rächen. :fluchen:
Oh je Matthias,
Nein, im Gegenteil. Du musst Geld verdienen um zu leben, jeder muss das scheinbar - ausser Du weisst wo es gratis Brötchen gibt. Aber was macht denn der, der Dir gratis Brötchen gibt? - Gibst Du ihm dafür ein Sack Bohnen? Woher nimmt der sein Mehl, usw.!

Was meine Rede war ist, dass sich im Alltag umwelt- und klimabewusstes Verhalten lohnen muss und das für Dich und mich und für Unternehmen ebenso. Und ja: Dass ich als Unternehmer mehr Geld verdienen kann, wenn ich mich umweltbewusst verhalte und dass Du am Ende des Jahres auch mehr Geld im Sack/auf dem Konto hast wenn Du es auch tust.

Die heutige Diskussion geht aber leider in die entgegengesetzte Richtung: DU sollt mehr bezahlen, die Unternehmen sollen mehr bezahlen für Umweltabgaben usw. CO2 Steuern, Benzin auf CHF 5.-/Liter, das SBB Generalabo plus 40%.

Wie wäre es wenn Du je weniger für den Liter Benzin zahlst, je weniger Du pro Jahr davon brauchst? Dein GA immer günstiger wird, je weniger Du es benutzt? Die Unternehmensteuer sinkt, je mehr der Mitarbeitenden von Zuhause aus arbeiten können? Je mehr lokale Ressourcen ich brauche? Je mehr lokale Mitarbeiter ich beschäftige? Je weniger Mitarbeitende ich von Berlin, Frankfurt, Paris, Warschau oder Prag beschäftige?

Einem Kind kann man kurzfristig mit Konsequenzen drohen, um ein gewünschtes Verhalten zu erreichen - aber selbst bei Kindern ist die Drohung irgendwann abgenutzt und egal: Krieg ich halt aufs Maul wenn ich frech bin - was solls. Also funktioniert das so einfach nicht.

Daher sehe ich die einzige Lösung darin, Anreize zu schaffen die positiv attribuiert sind und den einzelnen motivieren für sich etwas zu tun, was einem einen Vorteil schafft, Geld spart - und dann auch ein ökologischeres Verhalten als bis dato belohnt. Mit Verboten, Drohungen kommt man hier wohl nicht viel weiter und mit weiteren Klima-Steuern bestrafen wir genau diejenigen, die ja schon heute sehr genau rechnen müssen, wie sie über den Monat kommen. Ferien nur noch für Reiche? Autofahren nur noch für Reiche? Ausflüge am Wochenende nur noch für Reiche? (das war jetzt eine Aussage als Sozialist ;-))

Bleibst Du denn dieses Wochenende oder die nächsten einfach Zuhause - ich schon - und geniesst Deinen Garten, Balkon, Haus, Wohnung, gehst in Deiner Regio auf den Wiesen, Feldern oder im Wald spazieren, oder was machst Du in der Freizeit am Wochenende so - so ganz ohne CO2?

Gruss
Matthias

Edit: Typos again.
Zuletzt geändert von Matthias_BL am Sa 11. Mai 2019, 15:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Christian Schlieren (So 12. Mai 2019, 16:54)

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