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Südstaulage 28-30.10.2018

Alles zu (Un)wetter und Klima relevant für die Schweiz
Linth
 
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Linth » So 4. Nov 2018, 16:22

Cedric hat geschrieben:Im Sturmarchiv wird von Sturmtief Vaia gesprochen, aber bezüglich Windgeschwindigkeiten war es ja ein ausgewachsener Orkan... >150km/h 10min Mittel auf dem Gütsch beispielsweise

122 kmh in Bilten, auch nicht schlecht :shock:

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Kaiko (Döttingen)
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Kaiko (Döttingen) » So 4. Nov 2018, 20:08

Hoi zäme

Orkan oder Sturmtief :?:

Streng nach Definition hat Cedric mit der Einordnung als Orkan schon recht.
Aber dann wäre der Föhnsturm vom 11.12.2017 http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20171211_01_Storm_Alpennordseite
mit 10 Minuten Mittelwind von 128km/h auf Piz Martegnas auch ein Orkan gewesen,

und zum Beispiel der Föhnsturm vom 21.11.2016 http://www.sturmarchiv.ch/index.php?title=20161121_01_Storm_Alpennordseite
mit 10 Minuten Mittelwind von 120km/h auf der Ebenalp auch ein Orkan.

Frage an die Profis, gibt es noch weitere Kriterien?
Minimaler Luftdruck? oder spricht man von Orkan wenn im Flachland ein 10min-Mittelwind von 120km/h auftritt, auf den Bergen kommt das ja öfters vor?

Grüsse Kaiko
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Willi
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Willi » So 4. Nov 2018, 20:44

Orkan oder Sturmtief :?:

Ein Orkan ist ja erst einmal ein starker Wind, welcher verschiedenste Ursachen haben kann. Wenn schon, müsste man von einem Orkantief sprechen. Der Begriff wird auch öfters gebraucht, aber er scheint nicht so etabliert zu sein wie "Sturmtief". In der Tat meint man wohl ein Orkantief, wenn man z.B. vom "Orkan Lothar" spricht. Sprachlich ist das nicht sehr sauber gelöst. Wie auch immer, Vaia war ein bösartiger Geselle, welcher in Norditalien vermutlich noch für weit schlimmere Sturmschäden verantwortlich war als in der Schweiz.

Gruss Willi

Tobi (Rheintal, VBG)
 
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Tobi (Rheintal, VBG) » So 4. Nov 2018, 21:36

Hoi zäme,
soweit ich das hier herauslese, gilt ein Tief als Orkantief, sobald durch dieses eine Orkanböe ausgelöst wird.
Weiter unten stehen allerdings Erfahrungswerte, ab welchem Luftdruck mitwas zu rechnen ist.
https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/F ... lv3=102648
Zuletzt geändert von Tobi (Rheintal, VBG) am So 4. Nov 2018, 21:36, insgesamt 1-mal geändert.

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Federwolke
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Federwolke » Mo 5. Nov 2018, 00:05

Wenn man es ganz korrekt benennen will, muss man nach der Beaufortskala gehen. Diese wurde ursprünglich für die See gestaltet und erst später mit den Auswirkungen auf dem Land ergänzt - und damit waren bestimmt nicht die Alpengipfel gemeint ;) Zudem bezieht sich die Beaufortskala immer auf den Mittelwind, nicht auf die Böen. Böigkeit ist ja etwas, das stark vom Gelände abhängig ist: Je unruhiger der Boden, umso ruppiger die Böen. Heutzutage foutieren sich allerdings so ziemlich alle darum und machen aus jedem Sturm einen Orkan. Klingt dramatischer, bringt mehr Klicks. Ob man sich als Seite mit wissenschaftlichem Anspruch davon anstecken lassen soll? Ich hab mich bisher immer dagegen gewehrt, kämpfe damit allerdings auf verlorenem Posten.

Ich hatte übrigens in meiner Prognose "in den Alpen orkanartiger Wind" drin. Und das bezieht sich auf bewohnte Gebiete, wie eng man das auch immer definieren mag - jede Alphütte und jedes Berghotel, die noch geöffnet hat, ist ja streng genommen "bewohnt".

Tobi (Rheintal, VBG)
 
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Tobi (Rheintal, VBG) » Mo 5. Nov 2018, 00:33

Je unruhiger der Boden, umso ruppiger die Böen.

Gibt es da eine Erklärung bzw. was ist damit genau gemeint? Umso mehr bebaut, desto stärker sind die Böen?

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Federwolke
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Federwolke » Mo 5. Nov 2018, 01:51

Alles, was sich dem Wind in den Weg stellt (im Mikroklima Gebäude, Vegetation etc., im Mesoklima Hügel, Berge) erzeugt Turbulenzen und erhöht damit die Böigkeit. Korrekterweise müsste man allerdings nicht von einer Verstärkung der Böen sprechen, sondern von einer Reduktion des Mittelwindes. Die Böen, die zeitweise durchbrechen, entsprechen dem Mittelwind der auftreten würde, wenn er durch das Gelände nicht gestört wird. So richtig bewusst wurde mir das eigentlich erst, als ich Ballonfahrer den Alpen entlang oder darüber schickte. Die kamen in durchschnittlichen Geschwindigkeiten voran, die auf den Gipfeln in ungefähr gleicher Höhe als Spitzenböen gemessen wurden. Wem dieses Beispiel aus der Praxis zu wenig anschaulich ist, kann sich das auf reiner Theorie-Basis in jeder Höhenwindkarte (am besten 700 hPa) der Modelle anschauen, wie der Wind über dem alpennahen Vorland und direkt über den Alpen modelliert wird. Eigentlich nichts als logisch. Bei den Messwerten zeigt es sich dann wiederum darin, dass bei einem Sturm im (echten) Flachland die Böen ungefähr den Faktor 1.5 des Mittelwindes ausmachen, in den Bergen (auch in den Tälern) hingegegen Faktor 2.5 bis gelegentlich sogar 4-5 an Extremstandorten. Den niedrigsten Böigkeitsfaktor findet man an Stationen auf offener See (z.B. auf Ölplattformen und kleinen, flachen Inseln).

Und genau aus diesem Grund gibt es eigentlich im europäischen Binnenland keine echten Orkane. Gäbe es sie, würde hier bald nichts mehr stehen. Einfach mal gucken, wie es in den flachen, küstennahen Gebieten USA nach einem Hurricane (gleicher Wortstamm wie Orkan) nur schon der Kat. 1 aussieht. Und das liegt nicht nur alleine an der Bauweise, sondern weil einfach jeder Mittelwind von über 118 km/h im Flachland zerstörerisch ist, mit oder ohne noch stärkere Böen. Und wer sich jetzt fragt, weshalb denn dieselben Windgeschwindigkeiten mit höherem Böigkeitsfaktor auf den Berggipfeln nicht dieselben Schäden verursacht (wer hat schon mal eine SAC-Hütte bei 200er-Böen davonfliegen sehen?), dem sei der geringere Winddruck (in Kilogramm pro Quadratmeter messbar) in Erinnerung gerufen, der wegen der geringeren Luftdichte in der Höhe deutlich reduziert ist.

Daher ist es beim Vergleich, was echte Orkane in anderen Weltgegenden hinterlassen, einfach nur lächerlich, in Europa fast jeden Sturm als Orkan zu bezeichnen, nur weil er an ein paar exponierten Standorten Böen über 118 km/h produziert hat. Aber die Medien wollen es so und die meisten Wetterdienste erfüllen diesen Wunsch. Die angestellten Meteorologen müssen das mehr oder weniger überzeugt mitmachen - oder den Zirkus bewusst verlassen und selbständig werden. War auch für mich einer der Gründe für diesen Schritt.

Tobi (Rheintal, VBG) hat geschrieben:soweit ich das hier herauslese, gilt ein Tief als Orkantief, sobald durch dieses eine Orkanböe ausgelöst wird.
...
https://www.dwd.de/DE/service/lexikon/F ... lv3=102648


Ich habe den Eintrag erst jetzt gelesen und bin beruhigt, dass da eben nichts von Böen steht, sondern ausdrücklich der 10-Min.-Mittelwind erwähnt wird. Ich hätte sonst echt am Sachverstand des Verfassers gezweifelt, zumal es sich dabei ja um eine offizielle Stelle handelt.
Zuletzt geändert von Federwolke am Mo 5. Nov 2018, 02:05, insgesamt 1-mal geändert.

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Willi
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon Willi » Mo 5. Nov 2018, 09:29

Nicht zu vergessen dabei ist, dass eine unebene Orographie lokal auch die mttlere Windstärke erhöhen kann. Ich denke dabei an Kanalisationseffekte, PV-Banner, Rotoren etc. Diese Effekte dürften, zusammen mit der erhöhten Böigkeit, massgeblich zu den Schäden beigetragen haben, welche beim Tief Vaja aufgetreten sind. Für die betroffenen Regionen war es bestimmt ein aussergewöhnliches Ereignis.

Gruss Willi

flowi
 
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon flowi » Do 8. Nov 2018, 23:19

AHoi,
letzte Woche konnte ich "maltempo" übrigens hautnah erleben ...
Rund um den Golf von Neapel gab es zeitweise imposante Wellen zu bestaunen:
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Besonders beeindruckend war der Durchgang der Gewitterfront am 29.10. gewesen.
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Hier der Aufzug dieser Linie am Strand von Pozzuoli
(unter dieser Bucht schlummert übrigens der Supervulkan) ...
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... und noch ein kleines Video dazu: https://youtu.be/bK1eR8Lrm0o

Off Topic
Na ja, zwischendurch gab es glücklicherweise auch kurze, ruhigere Phasen.
Wir waren ja nicht in erster Linie wegen dem Wetter dort ... ;)
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Grüße,
Flowi
Zuletzt geändert von flowi am Do 8. Nov 2018, 23:49, insgesamt 1-mal geändert.

michel
 
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Re: Südstaulage 28-30.10.2018

Beitragvon michel » Fr 9. Nov 2018, 13:26

Wann wird sich wohl im Tessin einmal wieder die Sonne zeigen? Seit dem 27.10. kein Sonnenstrahl mehr in der "Sonnenstube", auch am Wochenende sieht es nicht danach aus und dann ist es schon gut 14 Tage trüb :schirm: Kommende Woche zwar Hochdrucklage, aber meist mit tendenziellem Südüberdruck und ich glaube die Prognosen übersehen die viele Nässe, die zu vermehrtem Hochnebel führen könnte? Am ehesten Dienstag/Mittwoch, nachdem nördlich der Alpen ein schwacher Trog durchzieht.

LG, michel

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