Das könnte durchaus interessant werden bezüglich neuer Temperaturrekorde für die Jahreszeit seit Messbeginn an einigen Stationen auf der Alpennordseite am Donnerstag und Freitag (26. und 27. Februar).
Kurz gesagt:
- Sich aufwölbender Mittelmeerkeil trocknet die Luft ab (kräftige Subsidenz), gleichzeitig strömte eine eine für die Jahreszeit sehr milde Luftmasse subtropischen Ursprungs heran.
- Vermutlich wenig Beeinträchtigung durch Nebel/Hochnebel (morgendliche Nebelfelder sollten sich auflösen), also gute Sonneneinstrahlung.
- Südwestkomponente beim Wind.
Wenn ich mir die aktuellen MOS-Daten anschaue, könnte es allerdings durchaus sein, dass es an der einen oder anderen Stelle an die Allzeit-Rekorde herangeht, respektive dass diese sogar geknackt werden. Der Allzeit-Februar-Rekord in Kloten (19,5 Grad) scheint mir so ein Wackelkandidat zu sein. Für Basel geht die Prognose derzeit von knapp 21 Grad aus. Das wäre unter dem Allzeitrekord von 1904 (!), der 22 Grad beträgt.Der Wettercharakter in der Schweiz verändert sich im Verlauf dieser Woche markant. Nach einer rund zweiwöchigen Phase mit turbulentem Tiefdruckwetter, das in den Bergen für viel Neuschnee und hohe Lawinengefahr sorgte, wird es ab Mittwoch frühlingshaft mild. Am Donnerstag könnte die Temperatur in den Tieflagen der Alpennordseite sogar bis gegen 20 Grad steigen. «Wir bewegen uns damit klimatologisch am oberen Rand der Erfahrungswerte für diese Jahreszeit», sagt Daniel Gerstgrasser, Meteorologe bei Meteo Schweiz.
Ursache für den Wetterumschwung ist ein umfangreiches Höhenhoch, das sich vom westlichen Mittelmeerraum her zum Alpenraum ausdehnt. Dabei handelt es sich um ein Druckgebilde, in dem bis in grosse Höhen hoher Luftdruck herrscht. Mit südwestlichen Winden strömen sehr milde Luftmassen heran, die ihren Ursprung in den Subtropen haben.
Nullgradgrenze steigt auf über 3000 Meter
Die Erwärmung macht sich zunächst vor allem in den höheren Lagen bemerkbar. Am Mittwoch steigt die Nullgradgrenze im Schweizer Alpenraum auf 3000 bis 3200 Meter. «Das entspricht etwa dem Normwert, wie er sonst Ende Mai zu erwarten ist», sagt Daniel Gerstgrasser. Auf 2000 Meter Höhe klettert das Thermometer auf etwa 8 Grad. Das sei aussergewöhnlich mild für die Jahreszeit, betont der Meteorologe.
Dem in der letzten Woche gefallenen Schnee wird es dadurch vor allem in den stark besonnten Südlagen ordentlich an den Kragen gehen. Gemäss Daniel Gerstgrasser ist die Luft allerdings trocken, was die Schneeschmelze in den Schattenlagen etwas bremst. Kurzum: Es handelt sich nicht um eine typische «Schneefresserlage» in den Bergen. Dafür wäre sehr mildes Regenwetter mit hoher Schneefallgrenze nötig, was in den kommenden Tagen nicht der Fall sein wird.
Temperaturen steigen in Rekordnähe
Am Donnerstag dreht der Frühling dann auch im Tiefland der Alpennordseite auf. Die Kombination aus milder Luftmasse, kräftigem Sonnenschein und säuselndem Südwestwind wird die Temperaturen nahe an die bisher bekannten Rekordwerte steigen lassen. In den tiefsten Lagen der Nord- und Nordwestschweiz sind gemäss Daniel Gerstgrasser 19, allenfalls sogar 20 Grad möglich.
Temperaturen über 20 Grad sind Ende Februar selten. Die bisherigen Rekordwerte in Basel (22 Grad) und Genf (20,4 Grad) stammen aus dem Jahr 1904. Noch etwas wärmer war es im Februar 2020 im jurassischen Delsberg (21,2 Grad) sowie im Februar 1960 in Bad Ragaz (23,4 Grad), wobei dort noch der Föhn als Temperaturantreiber mitspielte.
Der Februar dürfte mit diesem abschliessenden Wärmeschub im Vergleich zur langjährigen Klimanorm (1991 bis 2020) insgesamt deutlich zu mild ausfallen. Dies steht übrigens nicht im Widerspruch zum vielen Schnee, der heuer in den Alpen gefallen ist. Denn: Wintermonate, die von feuchtem Westwindwetter geprägt sind, bringen in den Bergen tendenziell die grössten Schneemengen – und im Flachland eher mildes Hudelwetter.
Starke Pollenbelastung im Mittelland
Unangenehm werden dürften die nächsten Tage für die Allergiker. Gemäss Angaben des Allergiezentrums Schweiz steigt mit den milden und trockenen Bedingungen vor allem die Konzentration von Hasel -und Erlenpollen noch stärker an als bisher.
«Wer auf Hasel- und Erlenpollen allergisch reagiert, sollte nicht zögern und jetzt mit der Einnahme der verordneten Medikamente, meist Antihistaminika, beginnen», rät Roxane Guillod, Leiterin Fachdienstleistungen des Allergiezentrums. Typische Anzeichen einer Pollenallergie seien eine laufende oder verstopfte Nase, Niesen sowie juckende oder tränende Augen.
Auch der Freitag dürfte nochmals sehr mildes Wetter bringen. Am Samstag erreicht dann das abgeschwächte Frontensystem eines Tiefdruckgebietes die Schweiz. Es wird vor allem im Jura und im Mittelland für etwas Regen und eine leichte Abkühlung sorgen. «In den Bergen wird man davon allerdings wohl nicht viel merken», sagt Daniel Gerstgrasser. Von einem Wintereinbruch kann nicht gesprochen werden. Vielmehr sinken die Temperaturen wieder auf Werte, die nicht ganz so weit von dem entfernt sind, was zu dieser Jahreszeit üblich ist.
Aber für Werte in den Top10 oder den Top5 dürfte es locker reichen.
Dass der Frühling heuer eine eindrückliche Erstvisite macht, wurde mir übrigens heute Morgen klar, als ich eine fette und sehr dynamische Nosferatu-Spinne im Zimmer meiner (schreienden) jüngsten Tochter einfangen musste...


